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Aktuelles

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Als nicht ganz so große Kanzlei bekommt man manchmal Anfragen, da geht es um Sachverhalte, bei denen, juristisch ausgedrückt, der „Streitwert“ eher gering ist.

Für Nichtjuristen: Kleinkram, Pipifax …

Wie soll man als Anwalt mit solchen Anfragen umgehen?

1. Rechtlich sind die Dinge manchmal nicht uninteressant und auch gar nicht so einfach. Wenn man das juristisch sauber durchprüfen wollte, dann müsste man schon eine gewisse Zeit darauf verwenden. Außerdem müsste man vorab den Sachverhalt näher klären. Aus den zwei oder drei Sätzen, die einem ein potentieller Mandant da schreibt, gehen ja häufig nicht alle Sachverhaltsangaben hervor, die für eine saubere juristische Prüfung relevant sind oder sein könnten.

2. Aber was will man für so eine rechtliche Prüfung dann berechnen? Den üblichen anwaltlichen Stundensatz von vielleicht 200 € plus Mehrwertsteuer? Der steht häufig in keinem Verhältnis zur – geringen - wirtschaftlichen Bedeutung der Angelegenheit.

Den Mandanten also kostenlos beraten? Also einmal davon abgesehen, dass das rechtlich (wahrscheinlich) unzulässig ist, sehe ich nun auch nicht ein, eine fundierte, verbindliche Rechtsauskunft kostenlos zu erteilen. Dafür würde man ja am Ende auch haften.

Davon abgesehen: Solche Anfragen kommen häufig von Leuten, die augenscheinlich kein Problem damit haben, hunderte von Euros für Smartphones und/oder Mietautos auszugeben, oder die mal eben einen knapp dreistelligen Betrag für einen Abend in der Shisha Bar „abdrücken“. Warum soll die anwaltliche Leistung dann kostenlos sein? …

Also ich habe für mich als Devise ausgegeben: Wenn die Sache dem „Rechtsuchenden“ nicht einmal 200 € für eine Erstberatung wert ist, dann ist das keine Sache für den Anwalt. Dann einigt euch irgendwie selber beziehungsweise überlegt euch, welche Lösung sachgerecht ist.

3. Unter uns: Wir Juristen machen auch nichts anderes, als dass wir versuchen, richtige, gerechte Lösungen für Probleme des täglichen Lebens zu finden. Gut, wir greifen dabei auf Paragraphen (rechtliche Regeln) zurück. Aber am Ende geht es doch darum, für einen Konflikt eine Lösung zu finden, die von den Beteiligten als gerecht empfunden wird.

Und Gerechtigkeit findet letztendlich nicht in Paragraphen statt, sondern in den Köpfen der Menschen.

4. Also nur Mut. Folgt eurem Rechtsgefühl und löst eure rechtlichen Probleme selber, wenn euch eine juristische Analyse - manchmal völlig zu Recht - zu teuer erscheint.


Dr. Wolfgang Gottwald
Rechtsanwalt