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Zurück zum Thema Glück (Return to Happiness)

Auf der Seite Impressionen, Sky and Sea habe ich das Thema Happiness (Glück) angeschnitten und kurz referiert, was die wissenschaftliche Glücksforschung einerseits und Hector (Francois Lelord, Hectors Reise) andererseits dazu sagen.

Das möchte ich jetzt wieder aufgreifen und die Erkenntnisse, die mir besonders wichtig erscheinen, etwas näher beleuchten.

Mir erscheinen vor allem zwei Aspekte wichtig, die meines Erachtens auch eng zusammen hängen. Nämlich zum einen, dass Glück bzw. das Glücksempfinden ein innerer Vorgang oder Zustand ist, sowie zum anderen der Aspekt der Gewöhnung.

1. Der Aspekt der Gewöhnung

a) Schmerzfreie Tage sind für viele Menschen - zumal dann, wenn sie noch jung sind - eine Selbstverständlichkeit. Kein Grund, sich darüber besonders zu freuen. Schmerzfreie Tage können ja so öde und langweilig sein. Hesse spricht im Steppenwolf (- ich meine hier das Buch, nicht die Band) von der lauen, faden Erträglichkeit sogenannter guter Tage.

Die Freiheit von Schmerz (oder allgemein: Gesundheit) wird erst dann eine Quelle des Glücks, wenn man sie einmal für eine gewisse Zeit nicht mehr hat. Wie gut fühlt es sich doch an, wenn es einem nach einer Krankheit oder einer längeren Zahnbehandlung wieder besser geht.

b) Die Veränderung vom Schlechteren zum Besseren ist es, was uns glücklich macht. Die neue, schönere Wohnung; der interessantere, besser bezahlte Job; die neuen Kopfhörer mit dem viel besseren Sound. …

Leider wirkt dieser Mechanismus eben auch in die andere Richtung. Mehr noch, die Veränderung zum Schlechteren wird einem häufig viel schmerzhafter bewusst. Der Verlust des Arbeitsplatzes. Finanzielle Einbußen an der Börse. Oder wenn die Gesundheit nicht mehr so mitspielt wie früher. Da tut einem dies und das weh und macht einen jeden Morgen griesgrämig und unglücklich.

c) In Bezug auf das Geld bedeutet das: Es macht im Alltag, so die Glücksforschung, keinen großen Unterschied, ob Ihr Konto mit 1 Million im Plus oder mit 10.000 € im Minus steht, solange das ganze für Sie den Normalzustand darstellt. Der Normalzustand macht eben weder besonders glücklich noch besonders unglücklich, sondern er wird vielmehr als Standard, als Ausgangspunkt wahrgenommen. Die Veränderungen zum Guten oder zum Schlechten sind es, über die man sich freut oder die einen unglücklich machen.

Unterbewusst wissen wir das, aber man will es irgendwie nicht so richtig glauben. Wenn ich jetzt 1 Million mehr auf dem Konto hätte, dann wäre ich doch viel glücklicher, oder? Ja, vorübergehend schon, aber eben nicht auf Dauer. In ein paar Monaten - vielleicht auch erst in ein paar Jahren, bei manchen aber vielleicht auch schon nach ein paar Wochen - hätte der Gewöhnungseffekt den Zuwachs an Glück wieder reduziert und das größere Vermögen zum Normalzustand erklärt.

Fragen Sie sich doch selber: Wenn Sie sich in Ihr Auto setzen, machen Sie sich dann jedes Mal bewusst, dass dieser Wagen jetzt besser ist als das Auto, das Sie vorher hatten? Also meine Erfahrung ist, dass man das eher nicht tut. Vielmehr nimmt man den gegenwärtigen Zustand, das aktuelle Niveau als gegeben hin.

Als der Wagen neu war, ja, da haben Sie das schon bemerkt. Mehr PS, bequemere Sitze, moderneres Design. Eben alles ein bisschen besser. Ergo ein Glücksgewinn. Aber jetzt, nach ein paar Monaten, ist das eben zum Normalzustand geworden, über den Sie sich nicht mehr so unmittelbar freuen können wie früher.

Und der anerkennende (respektive neidvolle) Blick der Nachbarn ist auch wieder der gewohnten gelangweilten Mine gewichen.

d) Diesen Mechanismus sollte man sich viel häufiger bewusst machen. Besonders dann, wenn man - wie wahrscheinlich die meisten von uns - in einem eigentlich ganz komfortablen Normalzustand lebt. Wir alle haben genug zu essen, ein Dach über dem Kopf, sind einigermaßen gesund, keiner Gewalt ausgesetzt und so weiter. Das sind, weltweit gesehen, keine Selbstverständlichkeiten. Das sollten wir uns, finde ich, viel öfter bewusst machen.

Denn erinnern Sie sich an das, was ich ziemlich am Anfang des Beitrags „Happiness“ gesagt hatte: Das Glück findet im Kopf statt.

2. Das Glück ist ein innerer Zustand

Womit wir beim zweiten wichtigen Aspekt wären: Gleiche äußere Umstände machen die Menschen nicht in gleicher Weise glücklich.

a) Setzen Sie zwei Menschen an die gleiche Stelle in den Englischen Garten, ins gleiche Gras, in die gleiche Sonne. Sie werden trotzdem nicht in gleicher Weise glücklich sein.

Es sind eben nicht die äußeren Umstände, die bestimmen, ob man glücklich ist oder nicht, sondern es kommt auf die innere Einstellung an.

b) Und es hängt, wie mehrfach betont, nicht vom finanziellen Wohlstand ab. Schauen Sie sich am Wochenende einmal in den Cafés oder Lokalen am Starnberger See um, sehen Sie den Leuten ins Gesicht. Sehen denn die Millionäre, die dort ein Villengrundstück am See haben, glücklicher aus als die Leute, die am Montag wieder ihren schlecht bezahlten Jobs in einem Büro, einer Werkstatt oder an der Kasse eines Supermarktes nachgehen?

Das können Sie nicht sagen, weil Sie ja nicht wissen, wer wie reich ist? Sehen Sie, genau das meine ich. Sie sehen es den Leuten meistens überhaupt nicht an, wieviel sie besitzen. Also vielleicht erkennen Sie es an bestimmten „Statussymbolen“, aber nicht am glücklichen Lächeln im Gesicht. Und wenn Sie den Wohlstand eines Menschen erkennen könnten, dann würde diese Kenntnis wahrscheinlich die These der Glücksforschung bestätigen, dass mehr Geld und mehr Besitz eben nicht zwangsläufig auch glücklicher machen.

c) Also beneiden Sie nicht „les riches“, vergleichen Sie sich nicht mit ihnen. Die haben zwar mehr Geld als Sie, aber das heißt noch lange nicht, dass sie deswegen auch glücklicher sind.

3. An Apple a Day …

Das sind doch alles nur Alltagsweisheiten, sagen Sie. Ja, das mag stimmen. Aber das hat man doch eigentlich in vielen Bereichen. Auch in der Juristerei weicht das, was einem das Rechtsgefühl schon nach wenigen Minuten sagt, häufig nicht weit von dem ab, was man dann nach stundenlangem Prüfen und Analysieren der einschlägigen Rechtsprechung als Ergebnis der rechtlichen Recherche ermittelt.

Will heißen: Nur weil man etwas auch ohne langes wissenschaftliches Studium als richtig erkennt, muss es deshalb noch lange nicht banal sein. Im Gegenteil: Die besten Erkenntnisse sind häufig die, die einem unmittelbar einleuchten. Wenn sie dann noch dazu von der wissenschaftlichen Forschung als richtig bestätigt werden, umso besser.

Wolfgang Gottwald