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Aktuelles

Older but no wiser. Oder doch?


Ich ertappe mich manchmal dabei, wie ich – viel häufiger als früher – genau weiß, wenn jemand etwas falsch macht. Ein Mandant, Kollege, Mitarbeiter oder auch die Kassiererin im Supermarkt.

Wo ich früher vielleicht gesagt oder gedacht hätte: Ah, so macht der/die das. Würde ich zwar anders machen, aber vielleicht ist es ja so (auch) richtig.

Passiert mir so etwas heute seltener. Häufiger weiß ich stattdessen ganz genau: Das ist doch total verkehrt, was der/die da macht. So geht das doch nicht! …

Bin ich nun heute besser, schlauer, erfahrener als vor 20 Jahren? Oder einfach nur intoleranter, engstirniger, rechthaberischer? …

Ja, wer soll diese Frage jetzt beantworten? Wenn ich mich frage, würde ich natürlich sagen: Ersteres! Also besser, schlauer, erfahrener.

Aber stimmt das auch? ...

Wahrscheinlich ist der Übergang fließend. Es gibt eine Phase, in der man die Unsicherheit der frühen (Berufs-)Jahre ablegt und tatsächlich genauer einschätzen kann, was geht und was nicht. Was richtig ist und was falsch. Was üblich ist und was eher seltsam.

Aber da ist auch Vorsicht geboten. Denn mit fortschreitendem Alter überholt einen der Wissensstand der Zeit. Was einmal richtig war, ist es auf einmal nicht mehr. Und wenn man dann immer noch in seinem (durch die bisherige Erfahrung  bestätigten) Denken verwurzelt ist, letztendlich doch alles besser zu wissen als die anderen, dann kann es schnell peinlich werden.

Der früher so souveräne ältere Kollege oder gar „gefürchtete“ Chef erscheint einem heute als leicht seniler Kautz. – Hoffentlich fühlt sich da jetzt niemand angesprochen. – Nach dem Gipfel kann es eben nur noch bergab gehen.

Aber wo stehen wir? Noch auf dem Weg nach oben, auf dem Höhepunkt unserer Laufbahn oder sind wir schon beim Abstieg? Wirklich wissen kann man das wohl erst im Rückblick.

Wolfgang Gottwald